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L-Carnitine

Zur Wirkung von L-Carnitine

L-Carnitine
Michi Würzer

L-Carnitine

Zur Wirkung von L-Carnitine

Es kann kurz gesagt werden: L-Carnitine ist im Bereich Fettverbrennung zwar essentiell, d. h. der Körper braucht es unbedingt, jedoch ist bei einer zusätzlich Einnahme als Nahrungsergänzung kein weiterer positiver Effekt nachweisbar. Folgender vereinfachender Vergleich sei hier erlaubt: L-Carnitine dient als Taxi, welches die Fettsäuren in die Mitochondrien, die Zellkraftwerke, transportieren. Nehmen wir einmal an, dass die Fettsäuren Berta, Fred und Toni in eine Muskelzelle kommen, wo die L-Carnitine Taxis warten, die die Berta, Fred und Toni ins Zellkraftwerk bringen sollen. Stellen Sie sich vor, dass Sie nun L-Carnitine zusätzlich einnehmen. Nun treffen Berta, Fred und Toni nicht auf 10 Taxis, sondern auf 300 Taxis, was natürlich den Transport sicher nicht beschleunigt. Wie wir also folgerichtig feststellen können, ist nicht das im Körper vorkommende L-Carnitine der limitiernde Faktor, sondern die Anzahl der freien Fettsäuren, welche in die Zelle einströmen. (Dazu siehe unten eine kontroverse Studie der Universität Leibzig)
Auf die Anzahl der Fettsäuren haben Substanzen wie Koffein oder Grüntee einen wissenschaftlich klar dokumentierten positiven Einfluss. Also nehmen Sie also besser einen doppelten Espresso vor dem Training als ein L-Carnitinegetränk. Im Bereich Ultraausdauerathleten, bei welchen der Fettstoffwechsel auf dem Maximum läuft kann allenfalls über eine L-Carnitine Supplementierung nachgedacht werden. Es könnte einen positiven Einfluss auf die Ausdauerleistung haben.

Fachinformationen
Der menschliche Körper bildet L-Carnitin selbst aus den Aminosäuren Methionin und Lysin mit Hilfe von Vitamin C, Vitamin B6, Niacin und Eisen. Die Hauptquelle für den Körper ist jedoch das mit der Nahrung zugeführte Fleisch. L-Carnitin ist in rotem Fleisch, insbesondere in Schaf- und Lammfleisch zu finden (Geflügelfleisch enthält deutlich weniger L-Carnitine). Eine vegetarische Kost liefert zwischen 2-20mg L-Carnitine. Bei einer vollwertigen Ernährung wird dem Körper täglich zwischen 100 und 300 mg L-Carnitin durchgeführt. Vegetarier führen mit der Nahrung durchschnittlich etwa 2–10 mg Carnitin zu sich.

Der Gesamtbestand an L-Carnitin im Körper beträgt etwa 20–25 g, wobei der Anteil in Geweben mit einem hohen Fettstoffwechsel (Muskulatur) besonders hoch ist. In Herz- und Skelettmuskulatur sind 98 % der Reserven gespeichert. Über die Nieren werden täglich etwa 20 mg in den Urin ausgeschieden. Der Normalwert des L-Carnitins im Plasma liegt zwischen 40 und 80 µmol/l, wovon etwa 70–85 % als freies Carnitin verfügbar sind. Der Rest liegt als Acylcarnitin verestert vor.


L-Carnitine in der Wissenschaft:

Über mögliche Leistungsverbesserungen durch die Supplementierung von L-Carnitin gibt es kontroverse Meinungen.
Experten wie Marconi oder Neumann (Lonza) sind auf Grund von Studien von der positiven Wirkung einer zusätzlichen Carnitineinnahme auf den aeroben und anaeroben Stoffwechsel der Muskulatur (Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel) überzeugt.
In verschiedenen Studien sollte die Einnahme von wenigen Gramm (2–4 g) L-Carnitin zu einer erhöhten Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2 max.) – ein Parameter für den Trainingszustand eines Sportlers, einer Veränderung des respiratorischen Quotienten (RQ) (Ein verkleinerter RQ-Wert ist ein Zeichen dafür, dass zur Energiegewinnung vermehrt Fettsäuren anstelle von Glykogen/Glucose bereitgestellt werden) – und verringerten Laktatwerten führen.

Diese Befunde konnten in anderen Studien jedoch nicht bestätigt werden:
In einer Doppelblind-Crossover Studie von COLOMBANI et al. führte die Zufuhr von 2 g L-Carnitin zwei Stunden vor einem Marathon und nach 20 km abgesehen von einer Erhöhung der Carnitin-Werte im Blut – jedoch zu keinen signifikanten Veränderungen der Laufzeit, des Respirationsquotienten, der Plasmakonzentrationen der Kohlenhydrat-Metaboliten (Glucose, Lactat, Pyruvat), der Fettmetaboliten (freie Fettsäuren, Glycerol, b -Hydroxybutyrat) sowie der Enzyme (Creatinkinase, Lactatdehydrogenase). Bei einem submaximalen Lauftest am Morgen nach dem Marathonlauf wurden ebenfalls keine Veränderungen der gemessenen Parameter festgestellt. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass eine L-Carnitin-Substitution die Leistungs- und Regenerationsfähigkeit bei Ausdauersportlern nicht verbessern kann.


Auch bei einem Fahrrad-Ergometer-Test an der anaeroben Schwelle konnte Colombani keinen Einfluss von Carnitin auf die Erholung der untersuchten Athleten feststellen.

In einer neueren Studie von PLATEN et al. an der DSHS Köln wurden 20 männlichen und weiblichen Sprintern über 7 Tage jeweils 3 g L-Carnitin/d verabreicht. Bei einer intensiven Laufbandergometerbelastung und einem 200 m Lauf konnten keine positiven Effekte auf die Leistungsfähigkeit, die Herzfrequenz und Lactatansammlung sowie auf spiroergometrische Parameter (beim Ergometertest) gemessen werden. Sie kommen zu der Feststellung, dass eine kurzfristige Carnitin-Supplementierung keine Verbesserung der sprint- und ausdauerspezifischen Kapazität bewirkt.

Ergogene (leistungssteigernde) Effekte in manchen Studien erweisen sich häufig als versuchsdesign- oder placeboinduzierte Fehlinterpretationen.
Die Resultate von Wissenschaftlern der University of Connecticut in den USA eröffneten neue Perspektiven hinsichtlich der Rolle von L-Carnitin, neben den klassischen muskelenergetischen Funktionen: Die tägliche Einnahme von L-Carnitin vor intensiven Belastungen führte bei gesunden Freizeitsportlern zu einer deutlich niedrigeren Produktion von freien Radikalen, weniger Muskelkater und weniger Muskelschäden nach dem Training. Das bedeutet, dass die Einnahme von L-Carnitin die Erholung unterstützen kann, wie schon frühere Studien zeigen konnten. L-Carnitin verbesserte auch deutlich die durchschnittliche Leistung und resultierte in einer schnelleren Erholung nach großen körperlichen Anstrengungen. Diese Schutzwirkung ist wohl zum Teil auf eine verbesserte Sauerstoffversorgung der Muskeln durch verstärkte Durchblutung zurückzuführen.

Im Jahre 2002 haben Wissenschaftler der Universität Leipzig erstmals nachgewiesen, dass L-Carnitin als Nahrungsergänzung den Abbau von langkettigen Fettsäuren in vivo bei gesunden Erwachsenen ohne L-Carnitin-Mangel steigern kann. Sowohl vor als auch nach zehntägiger Nahrungsergänzung erhielten die Probanden markierte Fettsäuren mit einer Mahlzeit. Anschließend wurde markiertes CO2 als Abbauprodukt der markierten Fettsäuren in der Ausatmungsluft gemessen. Die Wissenschaftler beobachteten einen signifikanten Anstieg an markiertem CO2 in der Ausatmungsluft, was auf eine deutliche Steigerung der Fettverbrennung bei gesunden Erwachsenen nach L-Carnitin-Einnahme hinweist. Inzwischen sind diese ersten Befunde durch eine Forschungsgruppe der Universität Rostock bestätigt worden. Mit einem etwas modifizierten Ansatz kamen sie zu ähnlichen Ergebnissen: die Nahrungsergänzung mit L-Carnitin konnte auch hier bei leicht übergewichtigen Erwachsenen die Oxidation langkettiger Fettsäuren deutlich erhöhen. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass diese Studienergebnisse wichtig seien für alle, die sich sportlich betätigen, die aktiv ein gesundes Körpergewicht anstreben, sowie für Menschen mit erhöhtem Energiebedarf.