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Verschleimung des Körpers durch Milch?

Die Frage erweckt den Eindruck, die Verschleimung des Körpers durch Milch sei ein wissenschaftlich fundierter Sachverhalt. Dies trifft jedoch nicht zu. Die wenigen Studien, die dazu vorliegen, konnten keinen Einfluss der Milch auf die Schleimproduktion nachweisen. Auch die im Internet kursierende Behauptung, Milch und andere proteinhaltige Nahrungsmittel würden durch „Verstopfung der inneren Stoffwechselporen“ (was auch immer damit gemeint sein mag) zur Verschleimung und Verschlackung des Gewebes führen, entbehrt zurzeit jeglicher medizinischer und naturwissenschaftlicher Grundlage. Wenn sich nach dem Trinken von Milch in Mund und Rachen der Eindruck von Verschleimung einstellt, hat das weniger mit den Inhaltsstoffen, sondern vielmehr mit der Textur und der Viskosität der Milch zu tun. Flüssigkeiten mit ähnlicher Textur und Viskosität hinterlassen einen ähnlichen Eindruck.

Die wissenschaftlich Diskussion rund um die Bedeutung der Milch drehte sich in den letzten Jahren um zwei ganz andere Fragen: die Osteoporoseprophylaxe und die Laktoseintoleranz. Die bis heute kontrovers geführte Debatte zur Bedeutung der Milch als Osteoporoseprophylaxe dürfte einer der Gründe für den zweifelhaften Ruf der Milch sein. Hinzu kommt die weit verbreitete Meinung, Milch sei für Erwachsene eigentlich ein unnatürliches und folglich ungeeignetes Nahrungsmittel. Etwa 2/3 der Weltbevölkerung verlieren mit der Entwöhnung von der Mutterbrust die Fähigkeit, Milch in grösseren Mengen (> 250 ml) zu verdauen. Dies betrifft besonders Menschen aus sonnenreichen südlichen Regionen. Bei ihnen wird das Enzym Laktase, das den Milchzucker Laktose spaltet, normalerweise inaktiviert. Dies äussert sich in einer Unverträglichkeit von Milch und anderen laktosehaltigen Lebensmitteln. Die klinischen Symptome sind Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz bis hin zu Durchfällen. Bei einem Grossteil der Bevölkerungen nördlicher Regionen verhindert eine Mutation diese Inaktivierung. Dennoch weist etwa 16% der gesunden mitteleuropäischen Bevölkerung einen relativen Laktasemangel auf. Aber nur etwa die Hälfte der Personen mit relativem Laktasemangel leiden an Symptomen der Laktoseintoleranz. Wahrscheinlich spielt die individuell sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Darmflora eine entscheidende Rolle, ob sich solche Symptome einstellen oder nicht. Laktoseintolerante Personen brauchen aber nicht auf Milchprodukte zu verzichten. Auch in der Schweiz findet man zunehmend laktosefreie Milcherzeugnisse in den Regalen der Läden.


Autor:
Felix Iten, Institut für Naturheilkunde des UniversitätsSpital Zürich
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