Muskelaufbau:
Planung, Umsetzung
Wie
baue ich am besten, am schnellsten und effektivsten Muskeln auf?
Ein
solider Muskelaufbau ist in erster Linie von den folgenden vier Faktoren abhängig:
·
Training
· Regeneration
· Ernährung
· Supplementierung
Werden
diese vier Faktoren optimiert, so kann man den Körper dazu bringen, Muskeln
aufzubauen. Grundsätzlich muss erkannt werden, dass die Natur einem Muskelaufbau
stets skeptisch gegenüber steht. Eine Erhöhung der Muskelmasse und
somit auch des Körpergewichts hat biologisch gesehen keine Priorität.
Unser biogenetischer Code besagt nämlich, dass in erster Linie das Überleben
gesichert werden muss. Deswegen ist der Mensch dazu prädestiniert, Kalorien
zu sammeln und zu horten und als (bio-)logische Folgerung davon möglichst
wenig zu verbrauchen. Ein Muskelaufbau wird also nur zugelassen, wenn die kalorische
Versorgung gewährleistet werden kann, was prähistorisch gesehen nicht
immer der Fall war. Mit anderen Worten braucht es jeden Tag einen gewissen Kalorienüberschuss,
damit der Mensch Muskeln aufbauen kann.
Training
und Regeneration
Training
und Regeneration müssen eine Einheit bilden. Fälschlicherweise wird
häufig angenommen, dass der Muskel während der Trainingseinheit wächst.
Dieser Trugschluss kommt wahrscheinlich daher, dass während des Trainings
ein Spannungsgefühl im Muskel entsteht, der durch die erhöhte Versorgung
mit Blut zustande kommt. Wenn der Muskel über eine gewisse Reizschwelle
gefordert wurde, wächst er in der Regenerationsphase, vor allem nachts
während des Schlafes. Das optimale Verhältnis zwischen Training und
Regeneration ist von Mensch zu Mensch verschieden und innerhalb der Muskelgruppen
desselben Menschen ebenfalls unterschiedlich. Als Mass dafür müssen
Standardempfehlungen genügen. 48 Stunden gelten als Faustregel, obwohl
es auch sein kann, dass es 72 oder mehr Stunden sind. Je nach Belastungsgrad
und Regelmässigkeit schwanken diese Werte. Die Kunst ist es also, die nächste
Trainingseinheit zum richtigen Zeitpunkt zu beginnen. Die nachfolgende Graphik
veranschaulicht diesen Zeitpunkt (grüner Pfeil):

Diese
Graphik stellt die Superkompensation dar. Die Fähigkeit des Körpers
sich auf eine vorangegangene Belastung so vorzubereiten, dass sie beim nächsten
Mal besser ertragen wird. Die verbrauchten Substrate werden nicht nur zurück
gewonnen, sondern es wird kurzeitig ein Überschuss als Reserven angelegt.
Wird dies systematisch richtig angewendet, so ist der Körper in der Lage
seine Leistungsfähigkeit zu steigern, also Muskeln aufzubauen.
Genau wie das Befolgen des Prinzips der Superkompensation gibt es noch andere
Prinzipien, die konsequent angewendet werden müssen, damit ein Muskelaufbau
realisiert werden kann. Dies sind im Wesentlichen die Folgenden:
• Prinzip der regelmässigen Belastungen
Trainingsreize müssen in sinnvollen Abständen repetitiv gesetzt werden.
•
Prinzip der überschwelligen Belastungen
Ein Trainingsreiz muss eine gewisse Höhe erreichen, damit ein Anpassungsprozess
ausgelöst werden kann.
•
Prinzip der progressiven Belastungen
Von Zeit zu Zeit muss der Muskel mit höheren Gewichten konfrontiert werden,
um das Wachstum in Gang gehalten zu werden.
•
Prinzip der Periodisierung
Die Belastung muss über einen längeren Zeitraum periodisch verändert
werden.
•
Prinzip der Kontinuität
Ein Trainingsprozess ist immer eine längerdauernde Angelegenheit, vor allem
wenn der Gewinn auch länger anhalten soll.
•
Prinzip der Variation
Die im Training gesetzten Reize müssen von Zeit zu Zeit variiert werden,
um den Trainingsprozess in Gang zu halten.
Je mehr von diesen Prinzipien gleichzeitig umgesetzt und eingehalten
werden, desto eher kann ein Muskelaufbau erwartet werden.
Neben den genannten Faktoren spielen natürlich die genetischen Voraussetzungen
eine weitere entscheidende Rolle beim Muskelaufbau.
Die
Genetik entscheidet wesentlich über den maximal möglichen Muskelzuwachs:
•
Physiognomie und Muskelfaserverteilung
•
Form und Länge der Muskeln (Optische Aspekte)
•
Knochenlänge und Ansatzstellen der Muskeln (Biomechanische Aspekte)
Ernährung
und Supplementierung
Eingangs
haben wir die Energieversorgung des Körpers angesprochen, wobei ein täglicher
Kalorienüberschuss gewährleistet sein muss. Selbstverständlich
sprechen wir nicht von irgendwelchen Kalorien. Wir sprechen von hochwertigen
Kohlenhydraten zur Versorgung mit Energie für genügend harte Trainingseinheiten
und von Eiweiss, welches den eigentlichen Baustoff der Muskeln darstellt.
Die sinnvolle Basisernährung bildet hier die Grundlage zum Muskelaufbau.
Da es in der Praxis aber nicht immer einfach ist, eine genügende und zeitlich
richtige Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicher zu stellen,
kann durchaus auf den Einsatz von Supplementen zurückgegriffen werden.
Eine vorgängige Abklärung, wie viel über die Basisernährung
abgedeckt wird, macht sicher Sinn. Spezialisten analysieren den täglichen
Bedarf, vergleichen die effektive Zufuhr und arbeiten darauf basierend einen
sinnvollen Supplementierungsplan aus. In der Regel werden Eiweiss- und Kohlehydrat-Präparate
zum Einsatz kommen flankiert durch diverse Spezialprodukte, wie z. B. Kreatin.
Die moderne Sporternährung bietet heute eine fast unüberschaubare
Palette von effizienten Produkten, die je nach Trainingsstand, Trainingsziel
und natürlich auch abhängig vom individuellen Budget den Muskelaufbau
optimieren können.
Last but not least – die individuelle Motivation
Zu
guter Letzt gehört ein eingangs nicht erwähnter, aber nichts desto
trotz sehr wichtiger Aspekt zum Thema Muskelaufbau: Die Motivation.
Ist
die Anfangsmotivation angesichts der Muskeln, die sich jetzt durch das Training
bilden sollen, bei den meisten Trainierenden noch hoch oder vielleicht gar zu
hoch, flaut doch bei vielen die anfängliche Euphorie relativ rasch auf
ein Niveau ab, welches für einen soliden Muskelaufbau zu gering ist. Viele
Trainierende bleiben bereits nach kürzerer Zeit auf der Strecke, da nach
einem halben oder einem Jahr die Zuwächse nur noch bescheiden sind. Die
konsequente Ernährung ist den alten Angewohnheiten gewichen und die Erfolge
bleiben trotz vermeintlich harten Trainingseinheiten mit der Zeit ganz aus.
Nur wenige schaffen es, auch nach mehreren Jahren dem Eisen treu zu bleiben
und werden mit dem hart erarbeiteten athletischen Aussehen belohnt.
Trainingsplanung: Wie gestalte ich mein Training
optimal?
Bevor die Beantwortung dieser Frage in Angriff genommen werden
kann, müssen einige Begriffe wie Training, Trainingsprogramm und Trainingsplanung
geklärt werden:
Definition
von Training:
Training ist eine regelmässige, geplante, überschwellige Belastung
des Organismus mit dem Ziel der Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Trainingsprogramm:
Eine Trainingskarte mit der Beschreibung des Ablaufes einer einzelnen Trainingseinheit
mit allen relevanten Trainingsparametern und der Möglichkeit, die im Training
erbrachte Leistung zu protokollieren.
Trainingsplanung:
Der Beschrieb aller relevanten Ausgangswerte (evtl. durch Tests und Messungen
ermittelt) sowie die Definition von Zwischenzielen und konkreten ins Auge gefassten
Zielen. Wichtig dabei ist die konkrete Planung des Verlaufes des Trainingsprozesses,
z. B. mittels Periodisierung.
Klassischer Ablauf einer Trainingseinheit (Trainingsprogramm):
•
Aufwärmen
Psychische und physische Vorbereitung
1. Umschalten von Ruhe auf Arbeit (Mentales Einstellen auf körperliche
Belastung)
2. Betriebstemperatur erreichen mit leichter aerober Belastung, vorzugsweise
mit einem Cardiogerät, bei dem alle Gelenke zum Einsatz kommen (Crosstrainer
oder Ruderergometer)
3. Passive Strukturen (Kapsel-Bandapparat) vorbereiten mit gymnastischen Übungen
und /oder aktiv dynamischem Dehnen
4. Evtl. Rumpfmuskulatur aktivieren (tonisieren)
5. Evtl. einen leichten Aufwärmsatz am Gerät selber ausführen,
um die Bewegungsmuster zu aktivieren
6 . Bei Schulterproblemen Rotatorenmanschette tonisieren
• Hauptteil
o Krafttraining
1. Grundsatz einhalten: Grosse Muskeln vor mittleren vor kleinen
2. Evtl. Prioritäten setzen: Wichtige Muskelgruppen vor weniger wichtigen
3. Ganzkörpertraining bei höchstens 3 Trainingseinheiten pro Woche
4. Splittraining bei mehr als 3 Trainingseinheiten pro Woche
o Ausdauertraining
1. Grundsatz einhalten: Länger trainieren ist aus gesundheitlicher Sicht
immer besser als intensiver
2. Intensität dem Ziel und den individuellen Voraussetzungen, bzw. der
Tagesform anpassen
3. Wenn möglich pulskontrolliertes oder sogar pulsgesteuertes Training
vorziehen
•
Auslaufen/Abwärmen
o Cooldown
1. Umstellen von Arbeit auf Ruhe
2. Aktiv zur Regeneration überleiten
3. 10 Min. leichte aerobe Herzkreislaufbelastung
o Stretching
1. Grundsatz: Pflichtbereiche dehnen (alle durch die Schwerkraft und die tägliche
Belastung nach innen rotierenden Muskelgruppen)
2. Beanspruchte Muskeln durch intermittierendes Dehnen wieder in die Ruhelänge
bringen
Relevante Aspekte der Trainingsplanung:
•
Diagnose
• Prognose
• Eigtl. Trainingsplanung
Diagnose:
Ermitteln
aller für die Trainingsplanung relevanten Daten:
o Mögliche antropometrische Daten:
1. Grösse
2. Körpergewicht
3. Körperfettanteil
4. Brustumfang
5. Taille
6. Oberarmumfang
7. Oberschenkelumfang
o
Mögliche Testdaten:
1. Max. Sauerstoffaufnahme
2. Laktatstufentest
3. Lungenfunktionstest
4. Krafttests (Max.kraft, Schnellkraft)
5. Beweglichkeitstests
Prognose:
Definition
des angestrebten Zieles:
o Möglichst konkrete Zielvorgaben in definiertem Zeitrahmen festhalten
o Zwischenziele mit Zeithorizont definieren
o Re-Tests einplanen
Eigtl.
Trainingsplanung:
o
Trainingszyklen festlegen:
Mikro-, Makro- und Mesozyklen: Dauer und Intensität
o Periodisierung definieren:
Klassisch, wellenförmig oder nach ILB
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