Krafttraining während Dialyse hält Patienten fit
Gewichte heben und Dehnungsübungen erhöhen nicht nur Muskelkraft, sondern
senken auch CRP-Spiegel
SYDNEY (ner). Schluss mit Fernsehen und Lesen während der Dialyse: Wenn es
nach australischen Ärzten geht, sollten Patienten in Dialysezentren besser
Gewichte heben und Dehnungsübungen machen. Das erhöht Fitness sowie
Vitalität und lässt Fettpolster schmelzen.
Schlafen, fernsehen oder lesen - so verbringen viele Dialyse-Patienten ihre
Stunden während der Prozedur. Muskelschwäche sei deshalb sehr verbreitet
und begünstige den vorzeitigen Tod, vor allem, wenn noch ein Typ-2-Diabetes
und kardiovaskuläre Probleme vorliegen, berichtet Dr. Bobby Cheema von
der Universität Sydney.
Bereits seit 1986 beschäftigen sich Cheema und seine Kollegen mit Sport
bei Dialyse-Patienten. Jetzt haben sie 24 Patienten im Durchschnittsalter von
62 Jahren zwölf Wochen lang einem intensiven Krafttraining während
der Dialyse unterzogen und die Ergebnisse mit 25 Patienten ohne Training verglichen
(J Am Soc Nephrol online).
Dreimal wöchentlich trainierten die Patienten im Dialyse-Stuhl ihre Arme,
Beine und die Bauchmuskulatur mit Gewichten sowie mit einem Thera-Band, und
zwar mit ausgewählten zehn Übungen und unter ständiger Supervision.
Der Shunt-Arm wurde stets vor Beginn der Dialyse trainiert. Nach zwölf
Wochen hatten Muskelmasse, Muskelkraft und Ausdauer im Vergleich zur Kontrollgruppe
deutlich zugenommen, proinflammatorische Marker hatten abgenommen. So steigerte
sich in der Trainings-Gruppe etwa die Muskelkraft gemessen mit einem Dynamometer
um 15,2 kg.
In der Kontrollgruppe dagegen verringerte sie sich um 2,4 kg. Oberarm- und
Oberschenkelumfänge nahmen in der Sportgruppe signifikant zu, der CRP-Spiegel
sank im Vergleich deutlich. Die Fettdepots im Muskel, gemessen per Computertomografie,
waren nach dem Training ebenfalls reduziert.
Der Ablauf der Dialyse werde durch den Sport nicht beeinträchtigt, so
Cheema und seine Mitarbeiter. Zudem gebe es keine Unterschiede bei Dialyse-bezogenen
Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hypotonie oder Probleme mit dem arteriovenösen
Shunt. Dagegen berichteten die Patienten über eine erhöhte Vitalität
und Lebensqualität, was mit einem Fragebogen dokumentiert worden war. Fazit
der australischen Kollegen: Fitness-Übungen sollten auf Hämodialyse-Stationen
zur Standardpraxis werden. |