Bei jedem Check von Krebskranken den Ernährungszustand klären! Bei Mangelernährung kommt es während der Krebstherapie oft zu Komplikationen
DÜSSELDORF (grue). Mangelernährung ist ein Risikofaktor für
Komplikationen bei Radio- oder Chemotherapien. Bei Krebs-Patienten sollte daher
immer der Ernährungszustand beurteilt werden. Gegebenenfalls muss schon
vor Behandlungsbeginn eine Ernährungstherapie mit zusätzlicher kalorienreicher
Trinknahrung erfolgen.

Krebs-Patienten brauchen eine ausführliche Ernährungsberatung. Die
Patienten sollten möglichst vollwertig und in der Regel kalorienreich essen.
Foto: Klaro
Patienten mit schlechtem Ernährungszustand bekommen während einer
Radio- oder Chemotherapie häufig Komplikationen wie Wundheilungsstörungen,
Infektionen und Sepsis. Wird der Therapiezyklus deswegen unterbrochen, steht
der Behandlungserfolg infrage. Es geht also darum, eine Mangelernährung
früh zu erkennen und bereits vor den geplanten Maßnahmen etwas dagegen
zu unternehmen.
"Der Gewichtsverlust ist sogar oft der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung",
so Dr. Gudrun Zürcher von der Uniklinik Freiburg bei der 2. Offenen Krebs-Konferenz
in Düsseldorf. Bereits in den sechs Monaten vor Diagnose der Krebserkrankung
verlieren, abhängig von der Art des Tumors, zwischen 31 und 87 Prozent
der Patienten deutlich an Gewicht, bei 16 Prozent sind es sogar mehr als zehn
Prozent vom Ausgangsgewicht.
Gewichtsverlust betrifft zunächst das Körperfett
Der Gewichtsverlust betrifft zunächst das Körperfett und die Skelettmuskulatur
und kann bei tumorbedingten Wassereinlagerungen zunächst übersehen
werden. Krebs-Patienten nehmen nach Angaben der Ernährungsmedizinerin etwa
20 Prozent weniger Kalorien auf als Gesunde. Grund dafür sind Stoffwechselstörungen
und entzündliche Reaktionen. Lokale Störfaktoren bei Kopf-Hals-Tumoren
und die veränderte Resorption bei fortgeschrittenen gastrointestinalen
Tumoren behindern ebenfalls die Nahrungsaufnahme. Nehmen solche Patienten täglich
nur 700 kcal weniger als üblich zu sich, verlieren sie innerhalb von zehn
Tagen ein Kilogramm Körpergewicht.
"Für die Praxis heißt das, möglichst bei jeder Untersuchung
auch den Ernährungszustand des Patienten zu beurteilen", sagte Zürcher.
Wird das Gewicht bereits beim ersten Termin notiert und der Patient gefragt,
ob er abgenommen hat, fällt später die Einordnung therapiebedingter
Gewichtsverluste leichter. Eine qualifizierte ambulante Ernährungsberatung
ist bei Gewichtsproblemen willkommen und wird bei Tumor-Patienten nach Erfahrung
der Freiburger Ärztin auch problemlos von den Kassen bezahlt.
Vor Op kann zusätzliche Trinknahrung erforderlich sein
Spätestens vor einer geplanten Tumor-Operation sollte das Thema Ernährung
detailliert besprochen werden. Ist die Ernährung unzureichend, sollte bereits
präoperativ die Energie- und Nährstoffbilanz mit zusätzlicher
Trinknahrung verbessert werden.
Bei BMI unter 18 kg / m2 ist künstliche Ernährung indiziert
Ein hohes Risiko für eine postoperative Mangelernährung haben Patienten
unter anderem bei einem BMI unter 18 kg / m2 oder einem Serum-Albumin unter
30 g / l, sofern es keine Hinweise auf Leber- oder Niereninsuffizienz gibt.
"Diese Patienten müssen vor großen chirurgischen Eingriffen
für 10 bis 14 Tage künstlich ernährt werden, selbst wenn deshalb
die Operation verschoben werden muss", sagte Zürcher. Ansonsten gilt
das Prinzip einer "gesteuerten Wunschkost", das heißt, die Patienten
sollten möglichst vollwertig und in der Regel kalorienreich essen. Das
gilt auch vor und während einer Radio- und Chemotherapie. |