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Blutgruppendiät

Blutgruppendiät

Liste der Lebensmittel von D'Adamo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Blutgruppendiät stammt von dem amerikanischen Naturheilkundler Peter D'Adamo. Die Blutgruppendiät geht davon aus, dass Menschen mit unterschiedlichen Blutgruppen Nahrung unterschiedlich verarbeiten. Dafür sollen bestimmte Eiweisse in der Nahrung verantwortlich sein die als Lektine bekannt sind und die bestimmten Blutgruppenmerkmalen im Blut ähneln. Werden die, aus Sicht der Blutgruppendiät "falschen" Lektine aufgenommen, kann es nach dieser Theorie zur Verklumpung des Blutes kommen und zahlreiche Krankheiten wären die Folge. Das eigentliche Ziel der „blutgruppengrechten Ernährung“ ist die Vorbeugung bzw. Heilung diverser Krankheiten sowie die Verbesserung des Allgemeinbefindens. Es gibt aber trotzdem zahlreiche Veröffentlichungen zu einer möglichen Gewichtsreduktion mit der Blutgruppendiät.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Theorie der Diät
  • 2 Wissenschaftliche Grundlage
  • 3 Kritik
  • 4 Kritische Stellungnahmen
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks

Theorie der Diät

Laut Peter D'Adamo soll die Blutgruppe 0 die älteste Blutgruppe sein. Sie entwickelte sich schon, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren. Daher sind Menschen mit Blutgruppe 0 laut der Blutgruppendiät an fleischreiche Nahrung gewöhnt, nicht aber an Getreide oder Milchprodukte da es zu dieser Zeit weder Ackerbau noch Viehzucht gab. So sollen also Menschen mit Blutgruppe 0 auch heute täglich Fleisch essen, um gesund zu bleiben und auf Getreide, vor allem auf Weizen sowie auf Milch verzichten.

Die Blutgruppe A entstand laut D'Adamo mit den ersten Bauern. Sie sollen vor allem Gemüse und Getreide essen, aber kein Fleisch und keine Milch, da die ersten Bauern angeblich keine Tiere zur Nahrungserzeugung hielten. Die Blutgruppe B soll sich unter Viehzüchtern in Asien entwickelt haben, dem "Nomaden-Typ", daher seien Menschen mit Blutgruppe B an Milch gewöhnt, auch bestimmte Fleisch- und Getreidesorten sollen zu ihrer natürlichen Nahrung gehören. Die Blutgruppe AB entstand in jüngerer Zeit aus der Vermischung der Blutgruppen A und B und symbolisiert den modernen Menschen. Diese Gruppe sollte vor allem Obst und Gemüse essen.

Wissenschaftliche Grundlage

Abgesehen von einigen exotischen, nur in Ausnahmefällen zur Ernährung gehörenden Pflanzen wie Stechginster, Goldregen und Malven ist kein Lebensmittel bekannt, bei dem je irgendeine negative Wirkung von Lektinen nachgewiesen wurde. Es lässt sich aber nachweisen, dass die Blutgruppen tatsächlich etwas mit der Entstehung verschiedener Krankheiten zu tun haben. Das liegt daran, dass sich bestimmte Krankheitserreger auf Blut mit bestimmten Blutgruppenmerkmalen spezialisiert haben, indem sie sich den Blutgruppenmerkmalen angepasst haben, so dass im Körper von Menschen mit anderer Blutgruppe die Erreger schneller als Fremdkörper erkannt werden können und sie daher vor den Krankheiten geschützt sind. Für Pocken sind daher besonders Menschen mit Blutgruppe A anfällig, während Träger der Blutgruppe 0 früher besonders der Pest zum Opfer fielen und heute von den Magengeschwüre verursachenden Bakterien besonders betroffen sind. Menschen mit Blutgruppe A sind statistisch auch anfälliger für verschiedene Krebsarten wie Brustkrebs und Herzinfarkte. Die Ursachen hierfür sind ungeklärt. Träger der Blutgruppe B sind statistisch häufiger von Asthma betroffen.

Kritik

  • Die meisten Empfehlungen der Blutgruppendiät sind wissenschaftlich nicht haltbar. Für die Lektin-Theorie gibt es keinen Beweis.
  • Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die Zusammenhänge zwischen Blutgruppen und Krankheiten belegen. Es gibt auch keine Studien für einen Zusammenhang mit der Lebenserwartung.
  • Etliche Wissenschaftler zweifeln die Reihenfolge der Entstehung der Blutgruppen an. So soll Blutgruppe A, nicht 0, die älteste Blutgruppe sein. Da Menschenaffen ähnliche Blutgruppen wie Menschen haben, gilt nach der Evolutionstheorie als gesichert, dass die Blutgruppen nichts mit menschlichen Wirtschaftsformen zu tun haben.
  • Manche der Empfehlungen und Verbote sind absolut zufällig oder beruhen auf Fehlern. So ist zum Beispiel die angebliche Milchunverträglichkeit der Blutgruppen 0 und A nur die Folge einer Namensverwechselung. Zur Blutgruppe B gehört die Alpha-N-D-Galaktose, in Milch ist hingegen Beta-N-D-Galaktose enthalten. Die Moleküle dieser Galaktosearten sind zwar ähnlich (daher der ähnliche Name), die Wirkung im Organismus ist aber völlig unterschiedlich. Selbst wenn die Lektin-Theorie richtig wäre, wäre eine negative Wirkung von Milch auf Menschen mit Blutgruppe 0 oder A also völlig ausgeschlossen.
  • D'Adamo rät den Blutgruppen 0, A und AB, Milch zu meiden. In Deutschland wären das 80 Prozent der Bevölkerung.[1] Nur in Asien ist die Blutgruppe B am stärksten vertreten. Die regionale Verteilung von Milchzuckerunverträglichkeit widerspricht jedoch seiner Theorie, denn sie ist in Asien weit häufiger als im europäischen Raum.
  • Generell widersprechen die Verbote von Nahrungsmitteln der regionalen Küche und der Verteilung der Blutgruppen. Es ist nicht verständlich, warum Menschen mit Blutgruppe A, die besonders häufig in Europa ist (in manchen Ländern die häufigste), die meisten Fleischsorten, Weizen und Milchprodukte nicht konsumieren sollen, die ja schon seit längerem die Grundlage der Ernährung darstellt. Stattdessen wird zu vermehrtem Soja-Konsum geraten, was eher zu Trägern der Blutgruppe B passen würde, da diese am häufigsten in Asien auftritt und dort auch für die Küche typisch ist. Das Ganze widerspricht sich auch der Theorie der regionalen Entstehung der Blutgruppen, weil nach D'Adamo die Blutgruppe A in der Kaukasus-Region, B in der Himalaya-Region entstanden ist. Warum dann Europäer mit Blutgruppe A Soja konsumieren sollten, ist daher unlogisch.
  • Je nach Blutgruppe ist der Eiweißanteil der Kost teilweise überhöht, was Gicht oder die Bildung von Harnsteinen zur Folge haben kann. Die Gruppe der "Jäger" erhält zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe.
  • Teuer ist auch der empfohlene Sekretor-Status (ca. 55€), der zur Verfeinerung des Konzeptes dient. Des weiteren bietet D'Adamo zahlreiche speziell für Blutgruppen designte Nahrungsergänzungsmittel, die nur über bestimmte Online-Shops bezogen werden können. Abgesehen von den relativ hohen Kosten ist auch der positive Einfluss umstritten.

Kritische Stellungnahmen

  • Bewertung der Diät durch die Stiftung Warentest: "Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät. (...) Eine Verklumpung von Blutzellen (durch Lektine, erg.) wurde bisher in keinem einzigen Fall festgestellt. Und Belege dafür, dass Erkrankungen durch die Blutgruppendiät positiv beeinflusst werden, fehlen ebenfalls." (Quelle: Stiftung Warentest, Sonderheft Diäten, 2005)
  • Aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): "In keinem Fall ist wissenschaftlich dokumentiert, dass Lectine aus Lebensmitteln im Blut zu Verklumpungen (Agglutinationen) führen. (...) D'Adamo verwendet ungesicherte, verführerisch einfach klingende Annahmen als Fakten und stellt Lectine in Nahrungsmitteln als eine generelle Gefahr dar. (...) Die meisten pflanzlichen Lectine sind unschädlich. (...) Zudem zerstört Erhitzen die Lectinaktivität in fast allen Nahrungsmitteln mit Ausnahme von gerösteten Erdnüssen (...)."[2]

Literatur

  • Peter D'Adamo/Catherine Whitney: 4 Blutgruppen, 4 Strategien für ein gesundes Leben, Verlag Piper, 23. Aufl. 2000, ISBN 3-492-04118-3
  • Anita Hessmann-Kosaris: Die Blutgruppen-Diät. Das bahnbrechende Ernährungsprogramm für Vitalität, Wohlbefinden und eine schlanke Figur, Verlag Goldmann, 2000, ISBN 3-442-16283-1




    Kontra: Kritik an der Blutgruppendiät:


    Die «Blutgruppen-Diät»

Von Dr. med. Michael Klaper

Die Theorie der «Blutgruppen-Diät» gewann nach dem Erscheinen von «Eat Right For Your Type» von Peter J. D'Adamo, N.D. (G. P. Putnams Sons, New York 1996) in der Öffentlichkeit grosse Aufmerksamkeit. Die Grundaussage des Buches Menschen mit Blutgruppe 0 sind der dominante Jäger-Höhlenbewohner-Typ, der Fleisch benötigt, Blutgruppe-A-Menschen sanfte Vegetarier und Blutgruppe B Milchprodukte essende Omnivoren wurde für viele Leute zum Manifest, das ihnen Scheinbegründungen dafür liefert, Fleisch und andere tierische Produkte in ihre Ernährung einzubeziehen («schliesslich taten es meine Vorfahren auch»). Aber die «Blutgruppen-Diät» und das Buch, das für sie wirbt, weisen viele Probleme auf, die mich davon abhalten, ernsthaft irgendwelche meiner Ernährungsgewohnheiten darauf zu begründen.

Eines der Merkmale des Buches sind die furchterregenden Bilder, die der Autor heraufbeschwört, ohne dafür wissenschaftliche Beweise zu liefern. Beispielsweise begründet D'Adamo seine Theorie weitgehend mit der Wirkung von Lectinen. Dies sind auf der Oberfläche von bestimmten Nahrungsmitteln vorkommende Proteine, die bewirken können, dass verschiedene Moleküle und einige Zelltypen verkleben. Er macht Lectine für ernste Störungen im ganzen Körper verantwortlich, von der Agglutination (Verklebung) von Blutzellen über Zirrhose bis zu Nierenversagen (Seite 24 der englischen Ausgabe). Er ängstigt seine Leser bezüglich dieser Lectin-«Schreckgestalten» sogar mit der Geschichte des Ex-KGB-Agenten Georgie Markov, der mit einer Injektion des ultrastarken Lectins Rizin ermordet worden war. Auf Seite 53 behauptet D'Adamo, «gewisse Bohnen und Hülsenfrüchte, besonders Linsen und Kidneybohnen, enthalten Lectine, die sich in Ihren Muskelgeweben ablagern, wodurch diese vermehrt alkalisch und weniger leistungsfähig werden». Eine gravierende wissenschaftliche Attacke und ein alarmierender Gedanke, wenn Sie Blutgruppe 0 angehören: «Nachdem Sie eine Schale Chilli-Bohnen oder Linseneintopf gegessen haben, lagern sich in Ihren Muskeln Lectine ab, beeinträchtigen deren Funktion, verändern deren Säuregrad und vermindern Ihre körperliche Leistungsfähigkeit.»

Ich glaube, wenn jemand eine solche Aussage macht und diese in einem Buch publiziert, das für die Bestsellerliste der New York Times vorbestimmt ist und die Ernährungsgewohnheiten einer Nation verändern soll, ist der Autor verpflichtet, seine Behauptungen mit stichhaltigen wissenschaftlichen Beweisen zu stützen. Dies versäumt D'Adamo wiederholt. (Ein Beispiel für einen Autor, der glaubwürdige Beweise liefert, ist Dr. med. Dean Ornish, der in seinem Buch Vorher-nachher-Röntgenaufnahmen veröffentlicht von der verstärkten Blutströmung durch die Arterien, die sich erweitert haben, nachdem Patienten seinem Ernährungs- und Verhaltensprogramm gefolgt sind.)

Ich denke, wenn ein Autor Millionen von Blutgruppe-0-Lesern Angst macht vor dem Essen von Kidneybohnen, Linsen und Weizen, muss er nachprüfbare Beweise liefern. Um mich von seinen «Lectin-Kobolden» annähernd überzeugen zu können, müsste er Mikroskopaufnahmen veröffentlichen von Muskelgewebeproben von Menschen der Blutgruppe 0, Gruppe A, Gruppe B und AB, nachdem sie Kidneybohnen oder Linsen gegessen haben. Die Aufnahmen müssten die Lectin-Ablagerungen in den Muskeln der Gruppe-0-Menschen deutlich zeigen  im Gegensatz zu den unbelasteten Muskelgewebeproben der Blutgruppe A. Wenn ein Autor keine derartigen Nachweise liefern oder Quellenangaben machen kann, wo diese Beweise durch andere Personen erbracht worden sind, vermindert er seine Glaubwürdigkeit meiner Ansicht nach stark. D'Adamo legt weder Fotos noch bestätigende Studien vor, um seine Spekulationen zu stützen.

Wie für den Rest seiner Erklärung betreffend die Lectine, die angeblich die Muskeln verändern, «wodurch diese vermehrt alkalisch und weniger leistungsfähig werden», müsste der Verfasser Untersuchungen nennen oder zitieren, bei denen Mikroelektroden in die Muskeln von Menschen mit verschiedenen Blutgruppen eingeführt werden, um den Säuregrad im Zellinnern zu messen. Nachdem alle von ihnen Linsen und Kidneybohnen gegessen haben, müsste, wenn DAdamo geglaubt werden soll, in den Muskeln der Blutgruppe-0-Menschen eine signifikante Verlagerung in Richtung Alkalinität sichtbar sein. Doch solche Studien werden nicht vorgelegt. Wenn ein Verfasser diese Art von Beweis nicht leisten kann, ist es dann verantwortungsvoll von ihm, Behauptungen aufzustellen, die Millionen von Menschen vor dem Verzehr von eiweissreichen, faserreichen Hülsenfrüchten und anderen wertvollen Lebensmitteln Angst macht? Für eine bestimmte Person mag es tatsächlich das Beste sein, eine bestimmte Hülsenfrucht nicht zu essen, aber aus handfesten ernährungstechnischen oder medizinischen Gründen (Allergien, Colitis usw.), unabhängig von ihrer Blutgruppe.

Was die «Blutgruppen»-Theorie für mich gänzlich unglaubwürdig macht, ist D'Adamos Postulat einer unmittelbaren physiologischen Schädigung: Lectine auf einigen Nahrungsmitteln sollen Blutagglutination verursachen bei bestimmten Blutgruppenzugehörigen, die «genetisch/evolutionär nicht geeignet» sind für diese Nahrungsmittel. Dies ist ein sehr ernsthaftes und potenziell lebensbedrohliches Phänomen, das er hier beschreibt. Agglutination bedeutet, dass die roten Blutkörperchen im Blutstrom irreversibel verkleben (agglutinieren) und Klumpen bilden. Haben sie sich einmal verklumpt, lösen sie sich nicht wieder. (Dies ist nicht zu vergleichen mit dem Sludge-Phänomen, das auftritt, wenn rote Blutkörperchen mit Fett oder anderen Substanzen überzogen werden, dadurch klebrig werden und reversibel aneinander haften. Aber anders als bei der Agglutination sind sie nicht durch eine irreversible Verflechtung von Oberflächenproteinen bleibend verbunden.) Durch den Körper zirkulierendes agglutiniertes Blut ist nicht förderlich für eine gute Gesundheit oder für langfristiges (oder kurzfristiges) Überleben.
Was ist so schlimm an Klümpchen roter Blutkörperchen, die durch die Blutströmung segeln? Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff zu den Zellen von lebenswichtigen Geweben wie Hirn, Herz und Nieren. Um diesen Transport auszuführen, müssen sie durch die winzigsten Gefässe fliessen  Kapillaren, die so eng sind, dass die Blutkörperchen nur in Einerkolonne durchkommen. Wenn die roten Blutkörperchen durch Lectine oder etwas anderes agglutiniert sind, verstopfen sie die Kapillaren und blockieren den Blutstrom. Der Blutstrom wird daran gehindert, die lebenserhaltende Sauerstoffladung zu den Geweben zu liefern, die von diesen Kapillaren versorgt werden. Zellen ohne Sauerstoffversorgung werden geschädigt und sterben schliesslich ab (Zelltod wird Gewebe-«Infarkt» genannt).

Da sich die meisten Menschen ihrer Blutgruppe nicht bewusst sind, geschweige denn wissen, welche Nahrungsmittel für sie «evolutionär nicht geeignet» sind, muss davon ausgegangen werden, dass die meisten Leute meistens die für ihre Blutgruppe «falschen Nahrungsmittel» essen (z.B. Weizen für Gruppe 0, Fleisch für Gruppe A usw.). Nach D'Adamos Theorie erfährt fast jedermann nach fast jeder Mahlzeit wiederholt Fluten von verklebten roten Blutkörperchen im ganzen Blutstrom Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wenn die Kapillarbetten in Herz, Lungen, Nieren, Hirn, Augen und anderen wichtigen Organen dauernd den Stauungen von verklebten roten Blutkörperchen ausgesetzt sind, verstopfen sie schliesslich. Diese Mikrobereiche von verminderter Blutströmung würden zunächst vereinzelte, dann konzentriertere Flächen von Gewebeschädigungen und schliesslich viele Mikroinfarkte verursachen, ganz verstreut durch die lebenswichtigen Strukturen. Hirn, Herz, Lungen, Nieren und Nebennieren wären durch diese Vorgänge bald irreparabel geschädigt, und für Millionen von Menschen könnte der Ausgang tödlich sein.

Ein solches Syndrom von Organversagen durch Lectin-verursachte Mikroinfarkte von Hirn, Herz, Nieren, Netzhaut und Nebennieren wäre Pathologen und anderen Medizinern gut bekannt; es wäre keine diffuse Krankheit. In den Pathologie-Lehrbüchern stünden klare Beschreibungen vervollständigt mit Lichtmikroskop- sowie Elektronenmikroskop-Aufnahmen von Schäden durch Lectin-Ablagerungen und Blutagglutination in den wichtigsten Organsystemen. Die Existenz und die Komplikationen einer so weit verbreiteten Krankheit wären unter Ärzten und Zellforschern so allgemein bekannt wie heutzutage Arteriosklerose. Ich kenne jedoch keine solchen Beschreibungen aus der Pathologie-Literatur. Ich kenne keinen Pathologen, der je Gewebeinfarkte durch Lectin-induzierte Agglutination der roten Blutkörperchen als Ursache irgendeiner menschlichen Krankheit erwähnt hätte.

Wenn ich eine so verallgemeinernde Aussage lese wie auf Seite 63, «Blutgruppe 0 verträgt absolut keine Vollweizenprodukte», muss ich fragen: Was meint er mit «absolut»?
Fallen Gruppe-0-Menschen augenblicklich zu Boden, halten sich den Bauch und erbrechen, wenn sie einen Weizencracker gegessen haben oder, noch schlimmer, erleiden einen sofortigen Hirnschaden aufgrund der verklebten Blutkörperchen in ihrem Hirn? Wie viel Weizen kann Blutgruppe 0 vertragen, bevor das Blut agglutiniert? Ein Brötchen? Eine Nudel?
Ich bestreite nicht, dass bei vielen Leuten Beschwerden auftreten, wenn sie Weizen essen. Das tun sie aber wegen einer Weizenallergie (Glutenunverträglichkeit) oder anderer nachprüfbarer Mechanismen nicht aufgrund irgendwelcher Zucker- und Eiweissmoleküle, die an den Oberflächen der roten Blutkörperchen verkleben. Ich stimme D'Adamo zu, dass Weizen für Leute mit Colitis ein problematisches Lebensmittel sein kann, und empfehle oft, ihn aus der Ernährung zu eliminieren. Auch Lectine mögen bei einigen Leuten im Entzündungsvorgang ihre Rolle spielen. Aber bevor man Millionen von Blutgruppe-0-Zugehörenden erzählt, sie sollten niemals Vollweizen essen viele von ihnen haben offensichtlich keine Schwierigkeiten mit Vollweizen und verlassen sich auf Brot als eine wichtige Energie- und Eiweissquelle, wären da nicht überzeugende wissenschaftliche Nachweise gefordert? Ich glaube, D'Adamo schuldet seinen Lesern mindestens ein Textzitat, das beweist, dass Weizen-induzierte Darmfunktionsstörungen einzig ein Leiden der Gruppe 0 sei. In seinem Text fehlen jedoch Verweise auf wissenschaftliche Zitate.

Um mich zu überzeugen, müsste mir D'Adamo Darmgewebe-Aufnahmen von Gruppe-0-Menschen, die kürzlich Weizen gegessen haben, zeigen, mit deutlichen Anzeichen von Lectin-Agglutination, die die Darmzellenfunktionen beeinträchtigt. Ich müsste auch Bilder sehen von Gewebeproben der restlichen Blutgruppen, bei denen die Darmwand sichtlich unbeschädigt und viel weniger mit Lectin-Ablagerungen belastet wäre als jene der Blutgruppe 0. Meines Wissens treten Darmentzündungen wie Colitis, Morbus Crohn und Glutenunverträglichkeit bei allen Blutgruppen auf und D'Adamo erbringt keinen überzeugenden Beweis für das Gegenteil.

Auch bezüglich Milchprodukten macht er drei unglaubwürdige Aussagen. Zwei davon lassen mich an seinem wissenschaftlichen Grundverständnis zweifeln, und durch eine kommt bei mir wegen seiner Ernährungsempfehlung Besorgnis auf:
1. Auf Seite 23 erklärt D'Adamo: «Wenn eine Person der Blutgruppe A Milch trinkt, beginnt ihr Organismus sofort mit dem Agglutinationsprozess, um sie abzuwehren.» Wenn er mich eine derartige Aussage glauben machen will, würde er mir am besten Mikroskopaufnahmen von Gruppe-A-Blutkörperchen zeigen, die verkleben, nachdem die Person Milch getrunken hat, und daneben Blut von Gruppe 0 und Gruppe B mit sichtlich nicht verklebten Blutkörperchen. Auch für dieses Phänomen zeigt er weder Fotos noch andere glaubwürdige Beweise. Er müsste zudem erklären, weshalb (teilweise enorme Mengen) Milch trinkende Gruppe-A-Menschen keine Schlaganfälle und Embolien erleiden, obwohl ihr Blut im ganzen Gefässsystem agglutiniert. Er liefert dafür keine Nachweise oder plausiblen Erklärungen sehr störend in einem Buch, das sich als «wissenschaftlich» präsentiert.
2. Auf Seite 151 sagt D'Adamo, «die Hauptzuckerart im Gruppe-B-Antigen ist D-Galactosamin, genau derselbe Zucker wie in der Milch». In Wirklichkeit ist der Hauptzucker der Milch nicht D-Galactosamin, sondern vielmehr Lactose. Lactose ist ein ganz anderes Molekül mit ganz anderen Eigenschaften als D-Galactosamin. Auch wenn signifikante Mengen von D-Galactosamin in Kuhmilch vorkämen, ist es so, dass die Antikörper des Gruppe-A-Bluts, die mit den Blutkörperchen von Gruppe-B-Blut verkleben, dies nicht als Reaktion lediglich mit D-Galactosamin tun, sondern mit einem Molekül von D-Galactosamin kombiniert mit einem Molekül des Zuckers Fucose. Dass Gruppe-A-Antikörper mit D-Galactosamin + Fucose auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen agglutinieren, bedeutet nicht, dass Gruppe-A-Blut mit Lactose (oder gar ungebundenem Galactosamin) von Kuhmilch agglutiniert. (Es ist anerkannt, dass gewisse Menschen aller Blutgruppen auf Kuhmilch und andere Milchprodukte schlecht reagieren  aus verschiedenen Gründen, aber vermutlich nicht, weil Lectine aus der Milch mit den «falschen» Blutkörperchen dieser Menschen verkleben.)
3. Eine Aussage, die mir grosse Sorgen bereitet, was die Sicherheit der Ernährungsratschläge betrifft, steht auf Seite 37. Dort empfiehlt D'Adamo trotz weit verbreitetem Wissen, dass viele Nicht-Asiaten aufgrund mangelnder Lactase-Enzyme im Darm keine Milchprodukte vertragen, «Gruppe-B-Personen von asiatischer Herkunft müssen sie [Milchprodukte] langsamer in ihre Ernährung aufnehmen, damit sich ihr Organismus daran gewöhnen kann». Dies scheint mir ein seltsamer Rat von einem Autor, der probiert, die Darmgesundheit seiner Leser zu verbessern. Ich fürchte, bei vielen seiner ahnungslosen Leser mit Lactasemangel, die diesen Rat befolgen, werden heftige Unterleibskrämpfe und Durchfall die Folge sein.

Eine weitere Behauptung, die bewirkt, dass ich dieses Buch meinen Patienten nicht empfehlen will, steht auf Seite 53. D'Adamo schreibt dort: «Dieses Leiden, die Hypothyreose, tritt auf, weil Gruppe-0-Menschen dazu neigen, nicht genügend Jod zu produzieren.» Tatsache ist, dass der Körper überhaupt kein Jod «produziert», genauso wenig, wie er Kalzium, Magnesium, Natrium oder irgendwelche anderen Mineralstoffe produziert. Jod ist ein Element der Halogengruppe, verwandt mit Chlor und Brom, das durch Pflanzen aus dem Boden und aus dem Meer aufgenommen wird also durch die Nahrung zugeführt wird. Millionen von Leuten zu beunruhigen, «nicht genügend Jod zu produzieren» (was niemand tut) und dadurch für Hypothyreose gefährdet zu sein, entbehrt jeder Grundlage und erregt unnötige Besorgnis. Die Ursachen von Hypothyreose sind komplex, wahrscheinlich sind Autoimmunreaktionen beteiligt und andere Mechanismen, die das Schilddrüsengewebe schädigen. Zu implizieren, das Essen von rotem Fleisch sowie das Weglassen von Weizen (die «Gruppe-0-Diät») helfe den Gruppe-0-Menschen, «Jod zu produzieren», ist unhaltbar und könnte im Leser nicht nur falsche Hoffnungen wecken, sondern auch das Risiko von fleischbedingten Krankheiten erhöhen.
Ebenfalls stossend ist D'Adamos Darstellung von überzeugten Vegetariern. Im Buch erzählt er der Fleisch essenden Blutgruppe 0, sie hätten ein «genetisches Gedächtnis an Kraft, Ausdauer, Selbstsicherheit, Kühnheit, Intuition und angeborenen Optimismus», seien «der Inbegriff von Tatkraft», «zäh und stark, stimuliert durch eine eiweissreiche Ernährung» (beschreibt er eine Blutgruppe-0-«Eliterasse»?). Die «eher vegetarische» Gruppe A beschreibt er als unterwürfige Tofu-Esser, «biologisch anfällig für Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes» (Seite 97).
Er schildert die Gruppe-A-Persönlichkeit als «& schlecht geeignet für intensive, belastende Führungspositionen, in denen Gruppe-0-Leute glänzen» (Seite 142). Er behauptet, unter Druck seien sie «besorgt, paranoid und nehmen alles persönlich». Zum Schluss, auf Seite 143, bürdet er dieser Gruppe noch das düstere Bild von Adolf Hitler auf, «eine mutierte Gruppe-A-Persönlichkeit». D'Adamo scheint auch eine Art «Blutgruppen-Astrologie» zu schaffen («Welcher Blutgruppe gehörst du an? 0 positiv? Ich wusste es! Genau wie ich!»), die ganz komplexe Menschen in seltsame Klischees zwängt.

Bedenken wir, nichts ist sakrosankt am A-B-0-Blutgruppensystem, das Dr. Landsteiner um 1920 ausgearbeitet hatte. Es ist nur ein System unter vielen, mit Namen wie Auberger, Diego, Duffy, I, Kell, Kidd, Lewis, Lutheran, MNSs, P, Rhesus, Sutter und Xg, die alle über dreissig Proteine auf der Zelloberfläche zur Blutgruppenbestimmung verwenden. Das bedeutet, dass ausgewählte Nahrungsmittel «richtig» wären für das AB0-Blutgruppensystem, jedoch «absolut falsch» für Kell- oder Kidd-Antigene. Warum vergöttern wir die für das AB0-Blutgruppensystem entscheidenden D-Galactosamin-Fucose-Moleküle auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen?
Meiner Meinung nach hat D'Adamo ein Evolutions-Märchen erfunden, das viele Fragen unbeantwortet lässt. Was genau, glaubt er, geschah mit den Gruppe-0-Jägern-und-Sammlern, als Gruppe-A-Menschen begannen, Weizen, Gerste und andere Getreide anzupflanzen? Assen Gruppe-0-Menschen ein bisschen Gerste und fielen sogleich in den Staub, unfähig zu Arbeit und Fortpflanzung? Wurden sie deswegen kriegerisch und prügelten die Bauern zu Tode, weil Lectine ihre Gedärme belasteten? Passierten die genetischen Veränderungen der Blutgruppe A auf wunderbare Weise direkt bevor eine Gesellschaft neue Getreidesorten züchtete (das erlaubte ihnen, dieses Getreide zuerst zu essen)? Oder tauchten die Gruppe-A-Menschen auf, nachdem das Getreide angebaut worden war, weil die Menschen mit Blutgruppe 0 wegen ihres verklebten Bluts im Hirn ausgestorben waren? Und weshalb würden sich so viele nordamerikanische Indianer, klassische Gruppe-0-Jäger, durch den Anbau von Mais in Schwierigkeiten bringen? Würde bitte jemand mit mir ein wenig über Wissenschaft diskutieren ...
[& ]
Egal, was Befürworter einer fleischhaltigen Ernährung über die Verdienste von [& ] «Eating right for your Blood Type» sagen mögen: Vom ökologischen Standpunkt her ist eine fleischhaltige Ernährung für die Weltbevölkerung nicht zu erreichen und, selbst für eine ansehnliche Minderheit, nicht nachhaltig. Böden, Wasser und Wälder der Erde werden auf das Produzieren von fleischhaltiger Ernährung reduziert. Wir zerstören unsere eigenen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten dem Planeten unserer Kinder für ein bisschen Fleisch. Ich denke, das Werben für eine Ernährung, in der Fleisch im Mittelpunkt steht, erhöht das Risiko für ökologische Katastrophen und gefährdet die Zukunft von uns allen.
Ich wünsche jedem optimale Gesundheit, Glück und ein langes Leben. Wir schulden es uns selbst, unseren Kindern und allen Nachkommen, herauszufinden, wie sich optimale Organfunktionen und lange Lebensdauer erreichen lassen. Mit Ernährungsformen, die wirklich nachhaltig sind für das Individuum, die Gesellschaft und für den Planeten. Schliesslich ist es die Ernährung für die Zukunft von uns allen.


Dr. med. Michael Klaper

Quellenangaben:

a) Galland, L. Intestinal Dysbiosis and the Causes of Disease. Journal of Advancement in Medicine - Vol.6, No.2, Summer, 1993.
b) Inman, R. Antigens, the Gastrointestinal Tract, and Arthritis. Rheumatic Disease Clinics of North America - Vol. 17, No. 2, May 1991.
c) Katz, K. Intestinal mucosal permeability and rheumatological diseases. Bailliere s Clinical Rheumatology - Vol. 3, No. 2, August, 1989.

a) Kjeldsen-Kragh, J. Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritis. Lancet, 1991; 338:899-902.
b) Mielants, et al. Intestinal Mucosal Permeability in Inflammatory Rheumatic Diseases. II. Role of Disease. (J. Rheumatol. 1991; 18:394-100)

a) Peltonen, R., et al. Changes of Faecal Flora in Rheumatoid Arthritis During Fasting and One-Year Vegetarian Diet. British Journal of Rheumatology 1994; 33:638-643.
b) Ling, W. Shifting from a Conventional Diet to an Uncooked Vegan Diet Reversibly Alters Fecal Hydrolytic Activities in Humans. Journal of Nutrition, 122: 924- 930,1992.

a) Bidoli, E. et al (1992), Food consumption and cancer of the colon and rectum in North-Eastern Italy, International Jnl of Cancer v.50 p.223-229.
b) Rao, A V. & Janezic, S A. (1992), The role of dietary phyosterols in colon carcinogenesis, Nutrition & Cancer v.18 (1) p.43-52.
c) Willett, W C. et al (1990), Relation of meat, fat and fibre intake to the risk of colon cancer in a prospective study among women, New England Jnl of Medicine v.323 (24) p.1664-1672.

a) Mills, P. K. (1988), Animal product consumption and subsequent fatal breast cancer risk among Seventh-Day Adventists, American Journal of Epidemiology v.127 (3) p.440-453.
b) Fraser, G. E. et al (1991), Diet and lung cancer in California Seventh-Day Adventists, American Journal of Epidemiology v.133 (7) p.683-693.


 

 

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